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Shareconomy -Tauschen und Teilen

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    "Tauschen und Teilen muss stärker zum gesellschaftspolitischen Thema werden"

    Auf der diesjährigen Cebit war die „Shareconomy“ das zentrale Thema. Neue Internetanwendungen sollen das Tauschen und Teilen populärer machen. Harald Heinrichs, Professor für Nachhaltigkeit und Politik an der Universität Lüneburg, hat sich in der Studie „Sharing Economy“ mit den Potenzialen dieser Wirtschaftsform beschäftigt.

    Shareconomy bedeutet nichts anderes als Tauschen und Teilen. Was ist daran neu?
    Harald Heinrichs: Ja, Tauschen und Teilen gab es in der Menschheitsgeschichte schon immer. Seit ein, zwei Jahren wird darüber aber deshalb intensiver gesprochen, weil das Internet und die sozialen Medien das Teilen über das nächste persönliche Umfeld hinaus stark erleichtern oder es erst ermöglichen. Auf der anderen Seite gibt es auch eine Reihe von neuen Angeboten, hinter denen interessante und kreative Ideen stecken.
    Zum Beispiel?
    Eins der wichtigsten Beispiele ist die Car-Sharing-Welle, die in den letzten Jahren in den Großstädten um sich gegriffen hat. Die Trendforscher der großen Autokonzerne haben erkannt, dass gerade in der Stadt das Nachhaltigkeitsbewusstsein gewachsen und dass ein Auto bei jüngeren Menschen kein Statussymbol mehr ist. Gerade beim Car-Sharing spielt die Informations- und Kommunikationstechnologie eine wesentliche Rolle, von der Buchungsmöglichkeit übers Handy bis zur App, die anzeigt, wo das nächste Car-Sharing-Auto steht und wie man mit öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin gelangt. Gerade mit den sozialen Medien sind eine ganze Reihe von interessanten Geschäftsideen hinzugekommen. Wir haben heute nicht mehr nur Car-Sharing, sondern auch Room-Sharing, also private Zimmervermittlungen, oder Food-Sharing, bei dem übrig gebliebene, aber noch problemlos essbare Lebensmittel verschenkt werden. Fast wöchentlich entstehen neue Plattformen.

    Seine eigene Wohnung an einen Fremden zu vermieten ist aber nicht ganz risikolos, oder?
    Beim Tauschen und Teilen über das Internet – das haben wir in unseren Forschungen gesehen – ist das Vertrauen in die Tauschpartner tatsächlich ganz entscheidend. Unsere Daten zeigen, dass ungefähr die Hälfte der Bevölkerung anderen Menschen generell vertraut und die andere eher misstrauisch ist. Sogar nur 15 Prozent der Bevölkerung vertrauen bislang den Bewertungssystemen im Internet, dabei ist das die entscheidende Instanz beim Tauschen und Teilen über das Internet.

    Welcher Typ Mensch teilt gerne?
    Wir haben vier Konsumtypen identifiziert, und zwei davon stehen dem Tauschen näher. Wir haben zum einen die sozialen Konsumenten, die wir kollaborative Konsumenten genannt haben. Sie sind höher gebildet, verfügen über mittleres bis höheres Einkommen, haben ein höheres Nachhaltigkeitsbewusstsein und postmaterialistische Wertvorstellungen. Ihnen sind also soziale Erfahrungen und eine gesunde Umwelt wichtiger als Besitz und Konsum. Das ist ungefähr ein Viertel der Bevölkerung. Dann gibt es noch zirka 14 Prozent, die Konsumpragmatiker, die auch tauschen und teilen, aber nicht aus ideologischen Gründen, sondern weil sie Geld sparen können.

    Kann die Sharing Economy tatsächlich zu einem sparsamen Ressourcenverbrauch beitragen?
    Diese Frage ist bisher nicht empirisch beantwortet. Prinzipiell ist es natürlich plausibel, dass es Ressourcen spart, wenn Menschen auf ein eigenes Auto verzichten und es nur bei Bedarf leihen. Man weiß aber noch nicht, ob Verdrängungs- und Verschiebungseffekte stattfinden. Das Geld, das ich nicht in ein Auto investiere, kann ich ja für einen Flug nach Mallorca ausgeben, dann ist für die Umwelt nicht viel gewonnen.

    Wie kann die Politik dazu beitragen, das Tauschen und Teilen weiter zu fördern?
    Bisher sind alle unsere politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen auf die Eigentumsökonomie zugeschnitten, vom Vertrags- über das Versicherungs- bis zum Steuerrecht. Das sind Ansatzpunkte, die anders gestaltet werden müssten. Damit das Tauschen und Teilen Relevanz erlangt, müsste es aber zunächst noch stärker zum gesellschaftspolitischen Thema werden.
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