Wenn Konzerne plötzlich grün sein wollen


Unternehmen erkennen zunehmend das Potenzial von Nachhaltigkeit: Der Kampf gegen den Klimawandel ist das zentrale Thema in Davos


Die US-Firma BlackRock ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Das Unternehmen verfügt über mehr als sieben Billionen Dollar an sogenannten Assets - Geld, das BlackRock für seine Kunden möglichst gewinnbringend anlegen will.

Der Konzern hat sich vorgenommen, künftig stärker zu berücksichtigen, wie nachhaltig ein Unternehmen arbeitet. Klimarisiken sind Investitionsrisken, sagt Vizechef Philipp Hildebrand, beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

"Somit wird es wirklich ein integraler Teil von allen Überlegungen, wie man ein Portfolio managed, wie eine Firma geführt werden muss, welche Risiken da sind. Das ist heute ganz klar eine der wichtigsten Investitionsrisiken", erklärt Hildebrand.

BlackRock-Boss pocht auf Klimaschutz - BlackRock will keine dreckige Energie mehr

Noch investiert BlackRock eine Menge Geld in fossile Energien. Das Unternehmen kündigte an, künftig jedoch kein Geld mehr in Firmen zu stecken, die mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes mit Kraftwerkskohle erzielen. Hildebrand ist überzeugt, dass Unternehmen, die sich nicht um den Klimawandel kümmern, künftig von Anlegern und Investoren bestraft werden. Sie würden weniger Kapital anziehen aus den Kapitalmärkten anziehen können, prophezeit der Blackrock-Vizechef, sie würden mit der Zeit weniger profitabel. "Und sie werden auch die Unterstützung aus der Bevölkerung und aus der Gesellschaft verlieren."

Siemens zieht Lehren aus Entscheidung

Wie das aussehen kann, hat jüngst der deutsche Dax-Konzern Siemens erlebt. Klimaschützer kritisierten das Unternehmen für die Entscheidung, eine Signalanlage für ein australisches Kohleprojekt zu liefern. Für Siemenschef Joe Kaeser ist das eine Lehre. In der Kenntnis der Sachlage würde man sich das sehr gut überlegen, ob man das noch einmal macht. "Man muss einfach einräumen, dass wir durch den Umstand, dass wir eigentlich eine Zugverbindung sicherer machen, den direkten Zusammenhang mit einem umstrittenen Projekt nicht gesehen haben", bekannte Kaeser.

Unternehmen erkennen Potenzial

Die Verantwortung der Unternehmen gehört zu den allgegenwärtigen Themen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Klimaaktivisten wie die Schwedin Greta Thunberg wiederholten ihren Appell an die Konzerne und Politiker, mehr gegen den Klimawandel zu tun. Der Chef des Versicherungskonzerns Allianz, Oliver Bäte, sagte, erstmals gebe dabei die Wirtschaft den Ton an und nicht die Regierungen: "Früher haben Regierungen von Unternehmen verlangt haben, sich anzupassen. Heute, glaube ich, hinken die Regierungen leider hinterher."

Kaeser: Regulierer müssen Rahmen setzen

Können also die Unternehmen beim Klimawandel in die Bresche springen, wenn Regierungen nicht schnell genug nachkommen? Siemenschef Kaeser nimmt auch die Gesetzgeber in die Pflicht. Der Regulierer müsse den Rahmen setzen, fordert er. "Nur: Jetzt zu tun, als müssten die Unternehmen etwas leisten, was der Gesetzgeber global nicht regulieren kann - das wäre eine problematische Situation." Das Treffen in Davos zeigt: Unternehmen und Investoren erkennen zunehmend, dass in der Nachhaltigkeit ein großes Potenzial liegen kann. Noch ist jedoch fraglich, wie Wirtschaft und Politik diese Chance bestmöglich nutzen können.

Von Sebastian Schreiber, HR, zzt. Davos