Schwarz: Nachhaltige Wirtschaft braucht "Mut zum Weniger"

Kärntner Bischof bei Tagung über "Megatrend Nachhaltigkeit": Öko-soziale Gesichtspunkte nicht ausblenden
08.05.2013
Wien (KAP) Nachhaltiges Wirtschaften braucht den "Mut zum Weniger". Eine "Strategie der Selbstbeschränkung" habe Auswirkungen sowohl auf ökologischer als auch auf sozialer Ebene, betonte der Kärntner Diözesanbischof Alois Schwarz bei einer Veranstaltung zum Thema "Megatrend Nachhaltigkeit"" am Dienstag in Wien.

Ökologische Nachhaltigkeit - im christlichen Sinn die Bewahrung der Schöpfung - bedeute sparsamen Umgang mit Ressourcen, Energieeffizienz und Abfallvermeidung. In sozialer Hinsicht sprach sich Schwarz für eine Frauenquote in Führungspositionen aus, für familiengerechte Arbeits- und Beschäftigungsmodelle, betriebliche Gesundheitsförderung und ein Engagement der Unternehmen im sozialen, kulturellen und Bildungsbereich. Für die Wirtschaftsakteurin Kirche müssen diese Maßstäbe selbstverständlich ebenso gelten, sagte Bischof Schwarz.

Veranstalter der Zukunftswerkstatt war "Software Systems", ein Unternehmen, das für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit im Finanzsektor eintritt.

Kritik übte der Bischof an allein auf Gewinnmaximierung ausgerichtetem Wirtschaften. Es brauche vielmehr eine wahrhaft öko-soziale Marktwirtschaft, die im Blick auf das Gemeinwohl auch andere Kriterien beachtet als Profit. Trotz der diesbezüglichen blinden Flecken auf den Weltmärkten ortete Schwarz einen Gegentrend in Richtung nachhaltiger Investition. Er berief sich auf eine Studie des deutschen Meinungsforschungsinstituts "TNS", wonach vor allem diejenigen, die bereits über ein profundes Finanzwissen verfügen, hohe Affinität zum nachhaltigen Investment zeigten.

Wie jeder Einzelne sein Geld investiert, liegt laut Bischof Schwarz in der Eigenverantwortung: Jeder Anleger müsse nachfragen, ob mit seinem Geld zum Beispiel die Rüstungsindustrie oder lebenszerstörende Produkte gefördert werden, appellierte Schwarz im Gespräch mit "Kathpress". Und wiederum: Dies gilt auch für die Kirche. Als Geldanleger hätten sich die Diözesen in Österreich deshalb strengen ethischen Regeln unterworfen, so der Bischof.

Wolfgang Pinner, Nachhaltigkeitsexperte der "Erste-Sparinvest", bestätigte mit einer brandneuen Studie des "Forums Nachhaltige Geldanlagen" die Trendbeobachtung von Bischof Schwarz: "Der österreichische Markt für nachhaltiges Investment konnte alleine von 2011 auf 2012 um eine Milliarde Euro zulegen." Für Banker sei nachhaltiges Investment längst zum "Megatrend" geworden.

Am Rande der Veranstaltung äußerte sich Schwarz auch zur aktuellen Diskussion um das Verbot von Pestiziden, die für das Bienensterben in Österreich mitverantwortlich sein könnten. "Wir dürfen nichts verwenden, was langfristig die Umwelt zerstört und irreparabel ist", betonte Schwarz im Gespräch mit "Kathpress" einen unbedingt zu beachtenden Grundsatz.

Nach dem "Bienengipfel" im Umweltministerium steht seit heute Nachmittag fest: Neonicotinoide, jener Sammelbegriff für drei Pestizide, die für Bienen gefährlich sind, sollen in Österreich verboten werden. Diesen Rückzieher gegenüber seiner bisher in Brüssel vertretenen Linie verkündete Umweltminister Nikolaus Berlakovich bei einer Pressekonferenz.

Quelle: kathpress