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Ratgeber für energieeffizientes Bauen

  1. #1
    Moderator Avatar von Projektmanager
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    Ratgeber für energieeffizientes Bauen

    Erst wenn ein Gebäude die folgenden, vom Passivhaus Institut Darmstadt festgelegten Kriterien erfüllt, hat es sich als Passivhaus qualifiziert: (Die Bezugsgröße für die angeführten Werte ist die Netto-Wohnfläche innerhalb der thermischen Gebäudehülle.)

    Energiekennwert – Heizwärme/Nutzkälte: max. 15 kWh/(m²a)
    Heizwärmelast: max. 10 W/m²
    Energiekennwert – gesamte Primärenergie: max. 120 kWh/(m²a)
    Drucktestluftwechsel/Luftdichtigkeit n50: max. 0,6 h-¹

    mit:
    kWh/m2a = jährlicher Verbrauch an Kilowattstunden pro Quadratmeter Netto-Wohnfläche
    W/m2 = Watt pro Quadratmeter
    n50 < 0,6 / h = bei einem Druckunterschied von 50 Pascal zwischen Innen und Außen darf sich die gesamte Luft im Gebäude nicht öfter als 0,6 mal pro Stunde austauschen – je kleiner der n50-Wert, desto dichter ist das Gebäude


    • Sehr guter Wärmedämm-Standard
    Bauteile der Gebäudehülle von Passivhäusern sollten zumindest folgende U-Werte aufweisen: Opake Bauteile:

    U-Wert < 0,15 W/(m²K) Fenster: Uw-Wert < 0,80 W/(m²K)
    Bei der Konstruktion bzw. bei der Wahl der Baustoffe sind prinzipiell alle bekannten Baustoffe und Konstruktionen möglich. Entscheidend sind die erforderlichen U-Werte und die Wärmebrückenfreiheit.


    3-fach Wärmeschutzverglasung
    Verglasungen in Passivhäusern müssen, um die hohen Anforderungen an die Behaglichkeit, Hygiene und Energieeffizienz zu erfüllen, folgende Kriterien erfüllen:

    Behaglichkeit: Ug < 0,8 W/(m²K)

    Damit sichergestellt ist, dass in mitteleuropäischem Klima mehr Energie durch die Verglasung gewonnen wird, als durch sie hindurch verloren geht, muss folgendes Energiekriterium erfüllt sein:

    Ug – (1,6 W/(m²K) x g) < 0

    Realisiert wird dies derzeit mit edelgasgefüllten 3-fach Wärmeschutzverglasungen. Fenster müssen im eingebauten Zustand einen Uweingebaut-Wert von höchstens 0,85 W/(m²K) erreichen, um passivhaustauglich zu sein.


    • Luftdichte Gebäudehülle
    Wichtigster Grund für eine luftdichte Gebäudehülle ist der Schutz vor feuchtebedingten Bauschäden. Durch eine 1mm breite Bauteilfuge können unter gewissen Umständen pro Tag und Laufmeter ca. 360g Wasser in das Bauteil einströmen. Kühlt sich der Wasserdampf auf dem Weg nach außen ab, kondensiert das Wasser aus und es kommt zur Durchfeuchtung des Bauteils. Zudem ist die Energieeinsparung ein wichtiger Grund für eine luftdichte Entwurfsplanung und Ausführung nach folgenden Prinzipien:

    - Lage der luftdichten Hülle definieren - Durchdringungen vermeiden - Länge der Anschlüsse minimieren - Ausführungsplanung prüfen - Materialien und Anschlüsse festlegen - Anschlüsse M= 1:10 planen und Arbeitsanweisungen weitergeben - Dauerhaftigkeit der Anschlüsse berücksichtigen


    • Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung (WRG)
    Damit in Passivhäusern der äußerst geringe Energiebedarf zur Beheizung realisiert werden kann, ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung unverzichtbar. Um unnötige Kosten und Überraschungen bei der Ausführung zu vermeiden sollte bereits beim Entwurf des Gebäudes die Planung der Haustechnik mit berücksichtigt werden (integrale Planung).

    Folgende Kriterien an Lüftungsanlagen werden vom Passivhaus Institut Darmstadt gefordert:

    - Behaglichkeitskriterium: minimale Zuluft-Temperatur 16,5 °C, bei -10°C Außentemperatur
    - Effizienz-Kriterium Wärme: Effektiver Wirkungsgrad der WRG > 75%
    - Effizienz-Kriterium Strom: max. 0,45 W/(m³/h) geförderter Zuluft-Volumenstrom
    - Dichtheit und Wärmedämmung: Leckage-Rate int. und ext. Max. 3%
    - Abgleich und Regelbarkeit: Regelbarkeit 70/100/130 %, Standby max. 1W
    - Schallschutz: Schalldruckpegel < 35 dB(A) im Aufstellraum, < 25dB(A) in Wohnräumen
    - Hygiene: Außenluftfilter mind. F7, Abluft mind. G4
    - Frostschutzschaltung: Regulärer Betrieb auch bei -15°C, Frostschutz für Wärmetauscher und das Nachheizregister


    • Vermeidung von Wärmebrücken
    Das Passivhauskonzept ist u.a. auch ein Qualitätssicherungskonzept für die Gebäudehülle. Auch an Ausführungsdetails werden daher detailliert formulierte Anforderungen gestellt. Eine davon ist die sogenannte Wärmebrückenfreiheit.

    Dies bedeutet:

    a) Alle Anschlussdetails haben einen Psi-Wert < 0,01 W/(mK) oder

    b) Zum Nachweis der Wärmebrückenfreiheit wird die wärmebrückenbedingte Erhöhung des mittleren U-Wertes der Gebäudehülle auf Werte < 0,00 W/(m²K) beschränkt.
    Die Wärmeverluste durch Wärmebrücken können im ungünstigen Fall 30 bis 50% der Transmissionswärmeverluste ausmachen und müssen daher bei der Planung und Ausführung von Passivhäusern dringend reduziert bzw. vermieden werden.

    Quelle: Netzwerk Passivhaus

  2. #2
    Moderator Avatar von Berndt Triebel
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    ABC des Passivhauses

    Blower-Door-Messung/Luftdichtheitsmessung:
    Durch Unter- bzw. Überdruck werden undichte Stellen in der Gebäudehülle festgestellt.

    In dem Gebäude wird ein Unter- oder Überdruck von 50 Pascal hergestellt und dann die Luftwechselrate errechnet. Bei Passivhäusern darf sich, bei dem genannten Druck, höchstens 0,6 mal pro Stunde die Luft austauschen.

    CE-Kennzeichnung von Dämmstoffen:
    Die Regelung der Produkteigenschaften von Dämmstoffen erfolgt durch die CE-Kennzeichnung und signalisiert den Behörden und dem Anwender die allgemeine Gebrauchstauglichkeit des Produkts zur Wärmedämmung von Gebäuden am europäischen Markt durch die Erfüllung der vorgeschriebenen Prüf- und Konformitätsbescheinigungsverfahren. Für die Prüfung und Anwendung ist der Hersteller verantwortlich, die aus Eigen- und Fremdüberwachung besteht. Durch die CE-Kennzeichnung wird nicht die Eignung des Dämmstoffs für bestimmte Bauaufgaben geregelt, dies geschieht in den nationalen Anwendungsnormen.

    Energieausweis:
    Bei Neubau, Sanierung, Änderung oder Erweiterung von Gebäuden wird ein Energieausweis ausgestellt der neben weiteren Kennwerten auch die Energiekennzahl des Gebäudes bekannt gibt. Diese Zahl sagt aus wie viel Energie das Gebäude pro Wohnquadratmeter im Jahr für die Raumwärme benötigt. Entsprechend dieser Zahl wird das Haus dann in verschiedene Kategorien eingeordnet. Nur Häuser in der Kategorie A++ sind Passivhäuser.

    Kontrollierte Wohnraumlüftung:
    Mit Hilfe dieses Systems herrscht in dem Gebäude ein ständiger Luftaustausch, wobei verbrauchte Luft mit frischer und gefilterter ausgetauscht wird.
    Die verbrauchte Luft wird über einen Wärmetauscher geleitet und die Wärme der Abluft wird der frischen Luft übertragen.

    Photovoltaik:
    Die Umwandlung von Strahlungsenergie der Sonne in elektrische Energie mittels Solarzellen die meist auf Hausdächern angebracht werden.


    Dampfbremse:
    Bezeichnet Folien z. B. aus Polyethylen, Polypropylen, die das Eindringen von Raumluftfeuchtigkeit in Baukonstruktionen verhindern, Wasserdampfdiffusion nur sehr begrenzt zulassen daher „Bremse“.

    Heizwärmebedarf:
    Der Heizwärmebedarf beschreibt den errechneten Bedarf an Energie der notwendig ist um einen Raum/ ein Gebäude auf eine bestimmte Temperatur aufzuheizen.

    Thermografie:
    Thermografie ist ein bildgebendes Verfahren, um Infrarot- bzw. Wärmestrahlung für das menschliche Auge sichtbar zu machen. Mit Hilfe von Thermografie kann die Wärmeabstrahlung von Gebäuden untersucht und so Mängel an der Hülle erkennbar gemacht werden.

    Transmissionswärmeverluste:
    Darunter versteht man jene Wärme, die durch die Gebäudehülle verloren geht. Diese Verluste können durch gute Wärmedämmung beträchtlich reduziert werden.

    U-Wert (früher k-Wert) =
    Wärmedurchgangskoeffizient:

    Einheit: W/m2K, Dies ist eine Maßzahl für den Wärmeverlust durch ein Bauteil.

    Je kleiner der U-Wert, desto geringer der Wärmeverlust und desto besser die Wärmedämmung.

    Wärmebilanz:
    Die Wärmebilanz eines Gebäudes beschreibt das Verhältnis zwischen zugeführter und verbrauchter Wärmeenergie. Energiequellen sind: Heizung, Personenwärme, Gerätewärme, Sonnenwärme. Wärmeverluste entstehen bei konventionellen Gebäuden durch Lüftung (20%) und zum Großteil (rund 80%) durch die Gebäudehülle (Transmission).

    Wärmebrücke:
    Bereich in Außenbauteilen eines Gebäudes, durch die Raumwärme schneller nach außen gelangt, als durch die angrenzenden Flächen oder anderen Bauteile. Durch Wärmebrücken entstehen erhöhte Energieverluste.

    Wärmedämmstoffe:
    Sind Materialien mit einer
    Wärmeleitfähigkeit < 0,1 W/mK.

    Wärmedämmung:
    Alle baulichen Maßnahmen zur Verringerung von Wärmeverlusten durch die Gebäudehülle.

    Wasserdampfdiffusion:
    Ist der Transport von Wasserdampf von der warmen zur kalten Seite eines Bauteils.

    Wärmeleitfähigkeit (Lambda):
    Je geringer die Wärmeleitfähigkeit, desto besser die Wärmedämmung. (Stoffeigenschaft, Einheit: W/mK)

    Wärmerückgewinnung:
    Die Wärmerückgewinnung ist eine Methode bei der die thermische Energie der Luft wieder verwendet wird.

    Quelle: Netzwerk Passivhaus
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  3. #3
    Moderator Avatar von Berndt Triebel
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