Schockierende Zusammenhänge zwischen Wetter und Klimaänderung

Die geringe Neubildung von Meereis im arktischen Ozean könnte sich auf das Winterwetter in Mitteleuropa auswirken, in Form arktischer Kälteeinbrüche. Verbunden sind Arktiseis und Winterwetter offenbar über einen Luftwirbel in 10 bis 50 Kilometern Höhe. „Immer mehr Studien zeigen, dass ein Mangel an Meereis auch den Wirbel in der Stratosphäre schwächt“, sagt die Mathematikerin Marlene Kretschmer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung in der Wochenzeitung DIE ZEIT. Den Zusammenhang zwischen Wetter und Wirbel hat sie gerade an realen Messdaten belegen können.

Kretschmer gehört zu einem Team, das den Zusammenhang zwischen der Stabilität atmosphärischer Strömungen und Extremwetter erkundet. Der Wirbel („polar vortex“) agiert als Taktgeber des Winterhalbjahres, indem er die Winde in der tiefer liegenden Troposphäre beeinflusst. In dieser Luftschicht spielt sich das Wetter ab. Die Forscher haben ein konkretes Beispiel dafür rekonstruieren können: den arktischen Kälteeinbruch in Nordamerika im Frühjahr 2014, der auf eine Schwäche des stratosphärischen Polarwirbels zurückgeht.

Über Stärke oder Schwäche des Wirbels entscheidet die Menge des im Herbst neugebildeten Meereises. In diesem Jahr verzeichneten Klimaforscher ein besonders geringes Wachstum um den Nordpol herum. So war dort im November weniger Meeresoberfläche eisbedeckt als je zuvor zum gleichen Zeitpunkt. „Die Situation im November ist eine neue Rekord-Anomalie“, sagt der Meereis-Spezialist Lars Kaleschke von der Universität Hamburg: „Das gab es noch nie seit Beginn der Messungen.“