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  1. #1
    Moderator Avatar von Berndt Triebel
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    Uns steht das Wasser bis zum Hals

    Kürzlich gingen honorige Herren und elegante Damen ins Wasser. In voller Montur, im Businessoutfit, im grauen Zweiteiler stiegen sie ins Bassin eines Wiener Hallenbades, bis ihnen das Wasser bis zum Hals stand. Mit ernster Miene zelebrierten sie ihren Fototermin, bei dem sicherlich auch viel gelacht worden sein dürfte.

    Doch das Anliegen ist mehr als seriös. Allesamt sind sie Kämpfer für Erneuerbare Energien in Österreich – vom Biomasseverband über die Photovoltaik bis zur Interessensgemeinschaft Windkraft. Raus aus den fossilen Energieträgern! Das ist ihre Forderung. Und damit treffen sie sich mit den AktivistInnen für ein Klimaschutzbegehren – auch deren Vertreterin stieg ins Hallenbadewasser.

    Wenn aber so viele Verbände und Organisationen für eine Sache kämpfen – warum machen wir denn das nicht? Ganz einfach: Weil die meisten Menschen zuerst einmal Geld verlieren, wenn sie mit dem Klimaschutz ernst machen. Hier einige Beispiele:

    TEURER FLIEGEN: Die Vernunft sagt, dass um 19 Euro ein Flug von Wien nach Barcelona viel zu billig ist. Doch wir haben uns dran gewöhnt und möchten den Bummel auf den Ramplas nicht missen. Fast niemand möchte angemessene, sagen wir, 500 Euro für den Trip zahlen, wie früher.

    WENIGER FAHREN: Bei den derzeit künstlich niedrig gehaltenen Benzinpreisen fallen Autofahrten zum Einkaufen nicht ins Gewicht. Warum also auch kürzeste Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen? Das will doch kaum jemand.

    WENIGER EINKAUFEN: Ob Strümpfe, Bügelbretter oder Glühlampen: In den Turbozeiten des weltweiten Handels ist es für viele Branchen, wenn nicht für alle, überlebenswichtig geworden, dass die Dinge schnell kaputt und rasch nachgekauft werden. Das treibt aber den Energieverbrauch, beeinflust das Klima – aber wer will schon deshalb vom Shoppingspaß Abstand nehmen?

    KLÜGER BAUEN: Energetisch gute Häuser kosten halt nun mal viel Geld, sagen die einen. Auf die Lebenszeit gerechnet kosten sie viel weniger als Energieschleudern. Aber was kümmert mich morgen oder übermorgen?

    Man könnte noch viele Beispiele nennen. Praktisch jeder Angestellte, jede Mitarbeiterin in Österreich arbeitet in einem Unternehmen oder einer Institution, die bei der Umstellung auf die neue Zeit Geld verliert. Doch wenn es zu spät ist, mit der Umstellung anzufangen, wird es ganz dramatisch. Davon werden in fünf Jahren vielleicht die Besitzer von Aktien der deutschen Autobauer ein Lied singen können. So wie es aussieht, erkennt eine ganze Branche die Zeichen der Zeit nicht.

    Dabei könnte ein Blick auf die sogenannten "Divestment"-Strategien globaler Fonds nicht Schaden: Allianz, Axa und der norwegische Staatsfonds sind nur einige Beispiele für Organisationen, die sich aus den Investments in Kohle (und andere fossile Energien) zurückziehen. Die Norweger praktizieren das seit 2015, doch nun legten sie nach: Der Fonds will weitere 12 Milliarden Euro aus Unternehmen herausziehen, deren Geschäftsmodell auf fossilen Brennstoffen beruht.

    Es ist einfach zu riskant. Laut einem Bericht des britischen Instituts Energy and Financial Analysis (IEEFA) haben 40 Prozent der 40 größten Banken und 20 Versicherer mit globaler Bedeutung mittlerweile eine "Divestment"-Strategie. Selbst in Asien ist der Trend angekommen, indischen Kohlekraftwerken fehlte es laut dem Bericht an privaten Finanzierungsmöglichkeiten, wie die FAZ schrieb.

    So sind die kleinen österreichischen "Vereinsmeier", die ins Wasser des Hallenbades gestiegen sind, um für den Ausstieg aus dem Fossilzeitalter zu trommeln, in guter Gesellschaft.

    Starmüller (Energie/Bau)
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  2. #2
    Moderator Avatar von Berndt Triebel
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    Die österreichische Industrie benötigt derzeit rund 30 % der heimischen Gesamtenergie. Um eine Versorgung durch ausschließlich Erneuerbare Energien zu bewerkstelligen, seien Ausbau und Optimierung der Energieinfrastruktur unbedingt notwendig, informiert der Klima- und Energiefonds in einer Aussendung. Großer Handlungsbedarf bestehe laut Studienergebnissen vor allem bei Erzeugungs- und Netzausbau sowie bei Speichern für entsprechende Flexibilitätsbereitstellung.

    Bezugnehmend auf #mission2030 – die österreichische Klima- und Energiestrategie – zeigt die Studie mit dem Titel „IndustRiES – Energieinfrastruktur für 100 % erneuerbare Energie in der Industrie“ anhand von drei Szenarien (Basis, Effizienz und Umbruch) mögliche Wege auf, wie die österreichische Industrie zunehmend mit Energie aus erneuerbaren Energieträgern versorgt werden kann. Mit den in Österreich zur Verfügung stehenden Potenzialen an erneuerbaren Energien (231 TWh) könne der industrielle Endenergieverbrauch in allen Szenarien bilanziell gedeckt werden, heißt es. Die zur Verfügung stehende Energie reiche jedoch nicht aus, um alle Sektoren wie Verkehr, öffentliche und private Dienstleistungen, Private Haushalte und Landwirtschaft zu versorgen: „Dafür muss Energie importiert werden – in Summe bis zu 97 TWh (31 %) des Endenergiebedarfs.“

    Beim Umstieg auf erneuerbare Energie im Industriesektor werde laut AIT-Studie die Elektrifizierung auf Basis erneuerbaren Stroms eine Schlüsselrolle spielen. Aktuell wird der Gesamtenergiebedarf der österreichischen Industrie zu 32 % aus elektrischer Energie gedeckt, die heutige Stromnachfrage der Industrie könnte um mehr als das Doppelte steigen – so werde es in Oberösterreich und der Steiermark zu den stärksten Veränderungen des Strombedarfs kommen. Langfristig sei daher ein verstärkter Infrastrukturausbau in den Regionen dieser „Verbraucher-Hotspots" notwendig, um eine vollständige Versorgung der Industrie mit erneuerbarer Energie zu ermöglichen. Zusätzlich müssten regionale Netzausbauten zum Anschluss neuer Windparks oder Wasserkraftwerke sowie die Verstärkung der Netzanbindungen an das benachbarte Ausland erfolgen.

    „Die Ergebnisse zeigen, dass wir den Umstieg in Österreich schaffen können“, so Wolfgang Hribernik, Head of Center for Energy am AIT. „Allerdings brauchen wir dafür mehr Konsequenz für den Ausbau der Erneuerbaren als auch eine systemische Untersuchung für den Bedarf der anderen Sektoren wie Verkehr und Haushalt.“ (cst)

    Bau/Energie