Klimaschutz-Index: sterreich rutscht ab und liegt hinter China
350 Experten beurteilten die Klimapolitik von 57 Industrielndern. sterreich liegt auf Platz 38. Das Umweltministerium hlt die Bewertung fr "nicht ganz fair".

Madrid – Die Ankunft der Spitzenpolitiker beim Weltklimagipfel in Madrid wurde von einigen unerfreulichen Nachrichten begleitet. Wie jedes Jahr verffentlichten die Umweltorganisationen Germanwatch, New Climate Institute und Climate Action Network Europe den Climate Change Performance Index (CCPI). Wieder einmal blieben die ersten drei Pltze unbesetzt – kein Staat sei beim Klimaschutz vorbildlich genug, hie es seitens der Organisationen.

Das Schlusslicht in dem Ranking bilden die Vereinigten Staaten. Zwar haben die USA bereits angekndigt, dass sie aus dem Pariser Klimaabkommen austreten werden – heuer sitzen sie allerdings noch an den Verhandlungstischen in Madrid. Neben Schweden, schnitten auch Dnemark, Marokko und Grobritannien einigermaen gut ab. China erreichte Platz 30.

Auf Platz eins landete die Heimat der Klimaaktivistin Greta Thunberg, Schweden. sterreich rutschte indes um zwei Pltze auf Rang 38 ab – und befindet sich damit im hinteren Mittelfeld. Die Republik erhielt gerade einmal 44,7 der mglichen hundert Punkte. Besonders schlecht schnitt sterreich im Bereich der Klimapolitik ab – in diesem Ranking erzielte die Republik gerade einmal 35,8 Punkte.

An der Bewertung, die seit 2005 verffentlicht wird, beteiligten sich rund 350 Energie- und Klimaexperten. Treibhausgasemissionen flieen mit 40 Prozent in die Bewertung ein – wobei sich der Groteil davon auf den Pro-Kopf-Aussto bezieht. Erneuerbare Energie, Klimapolitik und Energieverbrauch machen jeweils 20 Prozent aus.

Umweltministerium hlt Bewertung fr unausgewogen

Bei der sterreichischen Delegation auf der Weltklimakonferenz, die seit Montag von Umweltministerin Maria Patek geleitet wird, hat man fr die Ergebnisse der Erhebung wenig Verstndnis: "Wir halten diese Bewertung fr nicht ganz fair und ausgewogen", sagte Helmut Hojesky, Abteilungsleiter im Ministerium.

Die Studie basiere im Wesentlichen auf Einschtzungen von NGOs in den Mitgliedsstaaten. "Die einzelnen Elemente sind unterschiedlich gewichtet", so Hojesky. Der Anteil erneuerbarer Energien beispielsweise – wo sterreich sehr gut unterwegs sei – fliee kaum in die Bewertung ein. "Was uns immer wehtut, ist, dass Lnder mit Atomkraft durchaus besser bewertet werden", sagte der Klimaexperte. Diese wolle man in sterreich auch in Zukunft meiden.

Auch Patek selbst wollte die Kritik nicht so stehen lassen und sprach von der Vorreiterrolle, die sterreich im Umweltschutz einnehme. Die Ministerin verwies auf den Raus-aus-dem-l-Bonus, den Ausstieg aus Kohlekraft im Jahr 2020 und das Plastiksackerlverbot. "Ich wei, es ist immer zu wenig, aber wir sind hier wirklich auf einem sehr, sehr guten Weg", so die Ministerin.

EU im Mittlfeld

Die Europische Union als Ganzes befindet sich in dem Ranking im Mittelfeld. Greenwatch betonte in der Vergangenheit mehrfach, dass die Union in den Verhandlungen in Madrid eine Vorreiterrolle einnehmen msse. "Was wir jetzt erwarten, ist, dass die EU den angekndigten Prozess, mit dem die Klimaziele fr 2030 erhht werden sollen, auch wirklich startet und bis Mitte 2020 abschliet", sagte Germanwatch-Chef Christoph Bals zum STANDARD. Die NGO fordert, dass die Klimaziele deutlich nachgeschrft werden.

CO2-Emissionen in sterreich gestiegen

Kritik an sterreichs Klimapolitik gab es unter anderem von Greenpeace. "Zum Schmen" sei diese, kritisierte Greenpeace-Klimaexperte Adam Pawloff, der auch an der Bewertung beteiligt war. "Aus nichts wird eben auch nichts. Seit Jahren steigen die klimaschdlichen Emissionen, seit Jahren rhrt die Politik keinen Finger." Die NGO appelliert an die bergangsregierung, den nationalen Energie- und Klimaplan rasch anzupassen.

Quelle:Standard